Wacker Drive
Vom Art Institute sind wir auf dem Congress Parkway nun einige Blocks Richtung Westen gegangen, bis wir schließlich auf den South Wacker Drive gestoßen sind. Die Tour beginnt am 311 S. Wacker Drive Building, eines der jüngeren Gebäude im Loop. Von hier aus gehen wir Richtung Norden, entlang am südlichen Teil des Chicago Rivers und dann, immer noch am Fluss entlang, etwas östlich, wo man dann schließlich das Gefühl bekommt, als würde man in einen Wald voller Wolkenkratzer eintauchen.
Doch erst mal sind wir am Beginn unserer Tour. Das Interessante am Wacker Drive Building ist, dass es aussieht wie eine Krone, da es aus einem großen Zylinder und vier kleineren besteht, die den großen umrahmen. Besonders imposant wirkt dieses Gebäude, wenn man nach oben schaut, da kann es einem durchaus schwindlig werden.
Der Sears Tower
Wenn sich hier noch nicht der Kopf dreht, dann bestimmt, wenn man sich auf den Sears Tower wagt, der direkt im nächsten Block mit seinen 436 Metern in die Höhe ragt und damit Chicagos höchster Wolkenkratzer ist. Doch er ist auch das Markenzeichen der Stadt, und wie könnte es anders sein im Land des Konsums: dieses Gebäude gehörte und gehört heute teilweise noch der Sears-Familie, die in den USA eines der größten Kaufhaus-Imperien betreibt. Der Sears Tower war lange Zeit das höchste Hochhaus Amerikas und wurde dann vom Empire State Building abgelöst.
Der Tower entstand zwischen 1968 und 1974 und wurde mit einer speziellen Konstruktion extra Wind-resistent gebaut. All das kann man erfahren, wenn man 8$ investiert und auf dem Weg zum Skydeck einen Film anschaut, der über die Geschichte und Architektur des Chicagoer Wahrzeichens erzählt. An einem klaren Tag kann man aus dem 103. Stock bis zu vier Staaten der USA sehen (BILD). Nach der Schwindel erregenden Aussicht sind wir unten wieder angekommen und schlendern die Jackson Street entlang, die über den Chicago River führt und uns direkt zur Union Station, dem Bahnhof von Chicago Downtown führt.
Hier muss man mal gewesen sein, denn das Gebäude ist nicht nur von außen, sondern auch von innen imposant und es lohnt sich, einfach einen Kaffee zu kaufen und die vielen Pendler, die aus allen Teilen des Staates kommen zu beobachten. Hier sieht man wirklich alles, die gesamte amerikanische Gesellschaft findet hier ihr Miniaturabbild. Die Union Station wurde 1925 erbaut und ruht auf korinthischen Säulen. Über eine riesige Treppe aus Marmor gelangt man zum Herz des Bahnhofs. Wer den Film "Die Hochzeit meines besten Freundes" gesehen hat, der wird sich vielleicht noch an die Happy End-Szene erinnern, die spielt nämlich in der Wartehalle (welch understatement) der Union Station.
Das Civic Opera House
Nun gehen wir zurück zum Wacker Drive, über den Chicago River und dann in Richtung Norden. Bei der Hausnummer 20 N. müssen wir kurz inne halten, denn hier ist das Civic Opera House der Stadt Chicago. Erbaut wurde es ursprünglich als "The Lyric Opera of Chicago" im Jahre 1929. Innen gibt es im Erdgeschoss eine große Halle, im ersten Stock ist die Oper mit 3500 sitzen und ein Theater mit 900 Sitzen - tja, Dimensionen für eine Millionenstadt eben. Vom Baustil her findet man hier klassische aber auch Artdeco-Elemente.
Nun überqueren wir wieder den Fluss, dieses Mal auf der Madison Street, um uns die Riverside Plaza anzusehen. Das ist ebenfalls ein sehr imposantes Gebäude aus dem Jahr 1929, das quasi dem Civic Opera House direkt gegenüber liegt. Wie auch die einstige Stadtbücherei wurde dieses Gebäude von den Architekten Holabrid und Root entworfen und beherbergte ursprünglich die Büros der "Chicago Daily News".
Die Riverside Plaza
Die Riverside Plaza war der erste öffentliche Platz entlang des Flusses in Chicago. Nun weiter westlich liegt gleich das Citycorp Center (500 W. Madison), das in Anlehnung an einen Wasserfall 1987 von dem berühmten Architekten Helmut Jahn desigend wurde. Doch das Augenmerk geht von hier aus schon auf den nächsten Block, auf das Washington Social Security Center, das an sich nicht so interessant ist, vielmehr die Skulptur, die den Eingang schmückt. Es ist der "Batcolumn", eine riesige Skulptur (30 Meter hoch), die von Claes Oldenburg im Stil der 60er Jahre Popart designed wurde und aussieht wie ein riesiger Baseballschläger. Nach dieser kleinen 'sportlichen Exkursion' empfiehlt es sich auf den Wacker Drive zurück zu kehren, denn hier gibt es weiter nichts interessantes zu sehen.
Selbst wer so langsam müde wird hat Pech, in dieser Ecke ist kein einziger Starbucks in Sicht (was für Chicago sehr ungewöhnlich ist!), also, durchhalten und möglichst schnell ins Zentrum des Geschehens, den Wacker Drive zurück kehren! Hier gehen wir dann weiter in Richtung Norden und lassen die imposanten Gebäude einfach auf uns wirken. Wer hier Details wissen möchte, dem empfiehlt es sich ohnehin, eine der Architektur-Führungen zu buchen, die die American Architecture Foundation (224 S. Michigan Avenue) veranstaltet. Recht preisgünstig mit viel Detailwissen, auch als Bootstour auf dem Chicago River zu buchen!
Der Wacker Drive macht nun eine kleine Biegung und das Interessante ist, dass man zur Linken den Chicago River hat und zur Rechten zahlreiche Hochhäuser, in denen sich das andere Flussufer mit seinen Gebäuden widerspiegelt. Auch interessant ist, dass der Wacker Dr. an dieser Stelle zwei Levels hat - quasi eine Doppeldecker-Straße. Diese wurde 1926 gebaut und war damit die erste Straße auf zwei Ebenen weltweit. Die Idee stammt von dem Stadtplaner David Burnham und bestand darin, den Verkehr aufzusplitten. So kommt es, dass man heute keinen Lastwagen auf dem oberen sichtbaren Level fahren sieht. Eingerahmt wird dies alles von dem River Side Walk, auf dem wir uns weiterhin am Fluss entlang Richtung Nordosten bewegen.
Der Riverside Walk
Während der Sommermonate findet man hier spätestens die Rettung, wenn der Durst oder der Hunger quält, da entlang der Flusspromenade viele kleine Cafés zu finden sind (BILD Riverside Walk mit Wrigley und Tribune Tower). Bevor wir nun an unseren Ausgangspunkt, nämlich die Michigan Avenue Bridge zurückkehre, hat uns vor allem das Wacker Drive Building beeindruckt. Es ist ein sehr reich geschmücktes Gebäude aus dem Jahre 1926, das 24 Stockwerke und so mancherlei Spielerei besitzt. Nicht nur die verzierte Außenfassade lassen es zwischen all den neueren Bauwerken herausstechen, sondern auch im innern haben sich die Architekten etwas einfallen lassen.
Früher war die Garage, das Parkdeck, direkt in der Mitte des Gebäudes angesiedelt und die Autos wurden dann mit einem Fahrstuhl auf die jeweiligen Etagen, dort wo Platz war, verteilt. Außen sieht man auf der Spitze jeder Säule auch recht große Gefäße, die früher als Speichertanks für Wasser dienten. Nun folgen wir immer weiter dem River Side Walk und kommen schließlich wieder an der Michigan Avenue Bridge heraus. Wer jetzt immer noch nicht müde ist, was auf uns keineswegs zutraf, der kann die Michigan Avenue Richtung Norden einschlagen (vorbei am Wrigley Building und dem Tribune Tower) und eine unvergessliche Shopping-Tour starten (mit dem nötigen Kleingeld!).
Doch dabei hat wohl jeder so seine eigenen Präferenzen und von daher ist es etwas müßig Euch von unserem Einkaufstag, nämlich dem folgenden Tag zu erzählen.
Um die historischen Zusammenhänge und Architekturgeschichte der Metropole des Mittleren Westens in all ihren Facetten zu erleben und zu begreifen, kann man in Chicago gut eine Woche verbringen.
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